Kapitel 8 – Der Dom

Leseprobe

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Am gleichen Abend rief Casanova wieder an und er verstand es wiederum wunderbar, Laura einzuwickeln. Er war begeistert von der „Oper“ und meinte sogar, sie hätte wahrscheinlich finanziell ausgesorgt, wenn sie diese auf YouTube einstellen und pro Download 1,- Euro Gebühr nehmen würde. Die Orgasmus-Szene aus dem Film Harry und Sally war Kindergarten im Vergleich zu Laura’s Aufführung und würde mit Sicherheit den Grammy der Erotik-Branche für Drehbuch, Hauptdarsteller und Special Effects bekommen. Natürlich wies er als ihr DOM auf seinen nicht unerheblichen Anteil am Erfolg „unserer Oper“ hin. Die neue, unbezahlbare Erfahrung als SUB ließe Laura frei und ungezwungen agieren und ihr erotischer Horizont sei nun plötzlich weit wie das Universum.

Ich war natürlich stinksauer auf den DOM, obwohl ich ihm zugestehen musste, dass er bisher im Bezug auf Laura’s Sexualleben einen Gordischen Knoten zerschlagen konnte. Sie war viel freier und weniger gehemmt, als zu Beginn unserer gemeinsamen Zeit und entsprach nun eher dem Bild, welches sie nach außen schon länger verkörperte. Jedoch stand ich weiteren, gravierenden Veränderungen skeptisch gegenüber, denn ich befürchtete, Casanova könnte meiner Laura emotional ernsthaft Schaden zufügen.

Meine Laura war von seinem Gesülze aber derart geschmeichelt, dass sie ihm sogar ein Gedicht widmete.

Sklavin

Sex mit einer Urlaubsbekanntschaft

war immer ein „No go“ für mich.

tabu, jeder One-Night-Stand,

doch dann traf ich Dich.
 

Kam mir einer zu nahe,

bin ich weggerannt -

doch Deine Blicke und Worte

haben in mir die Leidenschaft entbrannt.
 

Blut kocht in meinen Adern,

nach Berührung fiebert meine Haut.

Hormone tanzen voll Heißhunger,

neu und doch so vertraut.
 

Tohuwabohu im Limbischen System,

wann bist Du endlich hier?

mein Körper lechzt nach Erfüllung,

nicht nur Lust – pure Gier.
 

Nimm mich Geliebter,

was immer Du willst, ich bin Dein

sei mein Herr und Gebieter

Deine Sklavin will ich sein.

 

Ich war enttäuscht. Laura kannte diesen Typen aus dem Urlaub und von wenigen, schlüpfrigen Telefonaten. Für ihn schrieb Sie nun schon zu Beginn ein Liebes-Gedicht, aber was bitte war mit mir? **************

 

© Carina di Voglia

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